Alina Herrmann aus Schwarzenfeld ist begeistert von ihrem Beruf als Kaminkehrerin. Mit moderner Messtechnik im Keller statt auf dem Dach und digitaler Dokumentation erlebt sie täglich neue Herausforderungen. Ein Job voller Abwechslung.
Jahrhundertelang war das Schornsteinfegerhandwerk eine reine Männerdomäne. Doch diese Zeiten sind längst vorbei, inzwischen liegt der Frauenanteil bei den Azubis in Bayern zwischen 15 und 20 Prozent. Auch für Alina Herrmann aus Schwarzenfeld ist Kaminkehrerin ihr absoluter Traumberuf.
Die Gastherme im Keller brummt monoton, während Alina die Messsonde in das Abgasrohr einführt. Auf dem Display ihres Analysegeräts verändern sich die Zahlen: Kohlenmonoxid-Gehalt, Sauerstoffanteil, Abgasverlust. Die 18-Jährige wartet, bis sich die Werte eingependelt haben, und überträgt das Ergebnis dann auf ihr Tablet.
Im zweiten Lehrjahr zur Schornsteinfegerin gehört dieser Ablauf zu ihrer täglichen Routine. Wer denkt, dass Kaminkehrer immer noch vorwiegend auf den Dächern zu finden sind, irrt sich gewaltig. Der berufliche Alltag findet heute zu einem großen Teil im Keller statt – an modernen Anlagen, mit digitaler Dokumentation und präziser Messtechnik.
„Viele denken bei meinem Beruf erst einmal immer noch an viel Ruß und eben an das Kaminkehren“, sagt Alina und lacht. „Dabei schaut mein Arbeitsalltag ganz anders aus. Ich verbringe viel Zeit mit moderner Messtechnik und der Auswertung von Daten. Es wird einfach nie langweilig, weil jede Anlage eine neue Herausforderung bereithält. Und immer wieder habe ich mit den verschiedensten Menschen zu tun. Die meisten freuen sich, wenn sie mich sehen. Und wenn man dann am Morgen schon so nett begrüßt wird, bekommt man automatisch gute Laune.“
Alina hat es noch keinen Tag bereut, sich für eine Ausbildung zur Kaminkehrerin entschieden zu haben. „Ein Bürojob wäre für mich nie in Frage gekommen, ich brauche einfach die Abwechslung.“
Während die meisten ihrer Freundinnen nach dem Realschlussabschluss eine weiterführende Schule besuchten oder sich für einen typischen Frauenberuf wie Friseurin oder Physiotherapeutin entschieden haben, ging Alina einen anderen Weg. „Schon im Praktikum habe ich schnell gemerkt, dass ich diesem Beruf machen will“, sagt sie und lacht wieder.
„Auch, wenn mir das anfangs keiner geglaubt hat. Meine Freunde dachten erstmal, ich mache Spaß. Aber dann haben sie schnell gemerkt, ich mache das wirklich. Inzwischen stehen alle hinter mir und finden das auch richtig cool. Weil sie merken, dass mich dieser Beruf echt glücklich macht.“ Und Alina hat noch viel vor: „Nach der Ausbildung will ich erstmal ein Jahr arbeiten, danach meinen Meister und Energieberater machen und einen eigenen Kehrbezirk übernehmen.“
Auch Senior-Chef Peter Wilhelm, der schon über drei Jahrzehnte Azubis ausbildet, hat Alina längst von ihren Fähigkeiten überzeugt. „Bei der Alina merkt man wirklich, dass sie mit Begeisterung dabei ist“, sagt er. „Sie kommt bestens mit den Kunden klar und auch die schulischen Leistungen sind sehr gut. Mittlerweile bin auch ich davon überzeugt, dass Mädchen hier richtig sind und fest ins Kaminkehrerhandwerk gehören.“
Dieser Meinung ist natürlich auch Alina selbst. „Bei uns in der Schule hatten viele Mädchen Bedenken, in einen sogenannten Männerberuf wie zum Beispiel ins Schreinerhandwerk zu gehen, obwohl sie das gerne gemacht hätten. Ich finde das sehr schade. Hätte ich auch so gedacht, wäre ich jetzt nicht hier – und hätte meinen Traumjob nicht gefunden. Ich will den Mädels zeigen: Man muss nicht immer nur in eine bestimmte Richtung gehen, das geht auch anders.“
Natürlich gehört das Reinigen von Abgasanlagen nach wie vor zur Ausbildung, wird heute aber meistens über Prüföffnungen im Inneren des Gebäudes erledigt. Schmutzige Hände sind dabei eher die Ausnahme. Und wenn Alina in ihrer schwarzen Arbeitskleidung bei den Kunden die Messungen durchführt, geht es neben der Technik auch immer um die Beratung. Sie erklärt den Hausbesitzern direkt vor Ort, was die ermittelten Werte bedeuten und warum bestimmte Grenzwerte eingehalten werden müssen.
Kein Problem für Alina. Für sie ist es auch okay, wenn sie ab und an als Glücksbringerin herhalten muss. „Das kommt schon immer wieder mal vor“, erzählt sie. „Letzthin kam eine Frau vor der Fahrprüfung zu mir und wollte sich ein bisschen Glück abholen. Ich hoffe, es hat geklappt.“
Nach den Messungen im Keller verpackt Alina die Sonden wieder in ihre Einsatztasche und bereitet zusammen mit ihrem Chef den nächsten Kundenbesuch vor. Was dort auf sie zukommt, weiß sie im Moment noch nicht. Aber genau das ist es, was sie an ihrem Arbeitstag so liebt – langweilig wird es nie.