Traumberuf und sonst nichts? Warum ein Plan B Gold wert ist | Weiden24 - Stage

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Berufsberater Bernhard Gresser empfiehlt für die Bewerbung um eine Ausbildungsstelle: „So früh wie möglich anfangen!“ Etwa 1,5 Jahre vor Schulabschluss ist super, gegebenenfalls mit den Zeugnissen der Vorentlassklasse.  (Bild: privat)
Berufsberater Bernhard Gresser empfiehlt für die Bewerbung um eine Ausbildungsstelle: „So früh wie möglich anfangen!“ Etwa 1,5 Jahre vor Schulabschluss ist super, gegebenenfalls mit den Zeugnissen der Vorentlassklasse. (Bild: privat)
Berufsberater Bernhard Gresser empfiehlt für die Bewerbung um eine Ausbildungsstelle: „So früh wie möglich anfangen!“ Etwa 1,5 Jahre vor Schulabschluss ist super, gegebenenfalls mit den Zeugnissen der Vorentlassklasse. (Bild: privat)
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Berufsberater Bernhard Gresser empfiehlt für die Bewerbung um eine Ausbildungsstelle: „So früh wie möglich anfangen!“ Etwa 1,5 Jahre vor Schulabschluss ist super, gegebenenfalls mit den Zeugnissen der Vorentlassklasse. (Bild: privat)

Traumberuf und sonst nichts? Warum ein Plan B Gold wert ist

„Ich will Mediengestalterin werden. Unbedingt. Das ist mein Traum. Nichts anderes, nein, niemals!“ So eine betonfeste Meinung bei der Suche nach einer Azubi-Stelle ist aber vielleicht doch nicht die allerbeste Strategie. Warum eigentlich?

Im Interview erklärt Berufsberater Bernhard Gresser von der Agentur für Arbeit in Amberg uns, warum ein Plan B und vielleicht sogar ein Plan C eine super Idee ist, wie sich die Suche nach einem Traumjob effizient aufziehen lässt – und wo es immer gut aussieht mit freien Ausbildungsstellen. Auch KI kann helfen, erklärt er. Zumindest, wenn sie schlau eingesetzt wird.

Aktuelle Trends am Ausbildungsmarkt

Wie hat sich der Ausbildungsmarkt in den letzten Jahren verändert?

Angesichts aktueller Schlagwörter wie demografischer Wandel und Fachkräftemangel gibt es bei uns in der Region trotz leichter Wirtschaftsschwäche noch immer deutlich mehr Ausbildungsstellen als Suchende. Allerdings merkt man schon, dass Industriebetriebe teilweise etwas zurückhaltender Azubis einstellen als früher. Manche Unternehmen können aufgrund der Auftragslage nicht alle Azubis nach ihrer Ausbildung übernehmen. Zwanzig Bewerbungen oder mehr und noch immer keine Stelle – auch das gibt es je nach Branche gelegentlich wieder. Außerdem verfestigt sich der Trend, dass „sichere“ Jobs bei Behörden wieder beliebter werden. Immer noch der Renner, gerade bei jungen Männern, sind Ausbildungen im Bereich IT.

Welche Branchen bieten derzeit die besten Chancen für junge Menschen?

Grundsätzlich gibt es weitaus mehr freie Ausbildungsstellen als Bewerber. In einigen Branchen wird dabei aber besonders gesucht. Das Handwerk ist hier beispielsweise ein super Tipp – und mit einer Ausbildung hier ist man auch finanziell gar nicht so schlecht aufgestellt. Gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz bietet außerdem der medizinisch-pflegerische Bereich. Auch Fachkräfte im Bereich Kinderpflege und Erziehung sind gefragt. Hier gibt es für die schulische Ausbildung zum Beispiel ein Modell mit größerem Praxisanteil – drei Tage in der Schule und zwei Tage im Kindergarten.

Welche Rolle spielen Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung bei der Berufswahl?

IT und Medien sind bei den Jugendlichen sehr gefragte Berufsfelder. Bei den Abiturienten sind dann Nachhaltigkeit und Digitalisierung zunehmend wichtige Berufsthemen. Gerade im Elektronik- und Metallbereich ist die Oberpfalz stark aufgestellt. Oft zeigt sich bei den angehenden Azubis allerdings mittlerweile die Angst, dass ihre Berufe angesichts der Entwicklungen rund um KI irgendwann einfach wegfallen könnten. „Aber keine Sorge, alles entwickelt sich und ihr könnt mit einer Ausbildung auch in vielen anderen Berufen arbeiten. Veränderungen und neue Herausforderungen machen das Berufsleben ja auch spannend“.

Gibt es neue Ausbildungsberufe, die in den letzten Jahren entstanden sind?

Da gibt es zum Beispiel die Kaufleute für E-Commerce, die medizinischen Technologen oder die Kaufleute für Digitalisierungsmanagement. Von den über 300 möglichen Ausbildungsberufen werden über 100 auch im Bereich der Arbeitsagentur Schwandorf angeboten. Spannend sind zum Beispiel auch die Ausbildungen zu Fachinformatikern für Systemintegration oder (vielleicht noch etwas weniger bekannt) für Daten- und Prozessanalyse.

Ungenutzte Potenziale

Warum bleiben jedes Jahr viele Ausbildungsplätze unbesetzt, obwohl gleichzeitig viele Jugendliche keinen Ausbildungsplatz finden?

Manche Jugendliche tun sich schwer, ein Berufsbild zu finden, das zu ihnen passt – und sie haben bei einem bestimmten Berufswunsch oft keinen Plan B oder Plan C, falls sich im Traumjob keine Ausbildungsstelle findet. Wer keine Lust auf Praktika hat oder wenig Unterstützung von daheim bekommt, für den wird’s schon oft schwer. „Geht also bitte nicht zu sorglos an die Ausbildungsplatzsuche heran.“

Welche Gruppen könnten stärker für eine Ausbildung gewonnen werden?

Da wären zum Beispiel junge Menschen mit Migrationshintergrund, bei uns in der Region etwa viele aus der Ukraine. Allerdings: Das Sprachniveau ist wichtig für eine erfolgreiche Ausbildung, in den meisten Berufen benötigt man B2, mindestens aber B1. Hier gibt es entsprechende Förderungen und Unterstützung. Auch für Jugendliche, die an ihrem Studium zweifeln oder dies vorzeitig beenden, könnte eine praktische Ausbildung interessant sein.

Welche Maßnahmen könnten helfen, Potenziale besser zu nutzen?

Eine gute Berufsorientierung ist das A und O. Nur wer wirklich weiß, was er machen will, kann sich auf die erfolgreiche Suche nach passgenauen Angeboten machen. Hier gibt es eine riesige Menge an Unterstützung und Hilfsmitteln, auch online. Zum Beispiel das Berufserkundungstool Check-U oder auch ein Videotermin mit der Berufsberatung. Das neue Portal „mein-beruf.de“ begleitet Jugendliche auf dem Weg in den Beruf. Hier gibt es auch gute Tipps für die Suche nach Praktika und für die Bewerbung. Ganz wichtig sind die Praktika, denn „da sieht man mit eigenen Augen, spürt und riecht, wie der Job ist. Das ist mehr als nur Videos anzuschauen.“ Außerdem gibt’s hier auch direktes Feedback – und das ist ganz, ganz wichtig für eine Berufsentscheidung.

Tipps für Schulabgänger

Wann sollten sich Schüler spätestens um einen Ausbildungsplatz kümmern?

Bernhard Gresser empfiehlt: „So früh wie möglich anfangen!“ Etwa 1,5 Jahre vor Schulabschluss ist super, gegebenenfalls mit den Zeugnissen der Vorentlassklasse. Ab Februar bis Anfang Mai 2026 läuft zum Beispiel schon die Anmeldephase für die Auswahlprüfung zur Ausbildung ab 2027 bei Behörden in Bayern, zum Beispiel Landratsamt, Finanzamt und Stadtverwaltung. Mit einer frühzeitigen Bewerbung haben Schülerinnen und Schüler die besten Chancen eine Ausbildungsstelle in ihrem Wunschberuf zu finden. Wenn der Wunsch klar ist – dann bitte auch nicht trödeln mit den Bewerbungen. Und: Lieber auch mit etwas schlechteren Noten bewerben als gar nicht – heute schauen Arbeitgeber etwas mehr auf den Gesamteindruck potenzieller Azubis als nur auf die Noten. Da zählen Dinge wie Teamfähigkeit, Respekt und Praktisches.

Welche Strategien empfehlen Sie, um den passenden Beruf zu finden?

Neben dem bereits erwähnten Test Check-U gibt es unseren Berufswahltest beim Berufspsychologischen Service der Agentur für Arbeit. Auch die Gespräche mit der Berufsberatung helfen bei der Suche nach einer passenden Ausbildung. Ganz wichtige Ansprechpartner bei der Berufswahl sind die Eltern. Sie können ihre Kinder am besten einschätzen und sie in allen Schritten Richtung Ausbildung unterstützen.

Wie können Jugendliche ihre Chancen bei Bewerbungen verbessern?

Eine gute Idee ist es, mit Eltern, Lehrkräften und der Berufsberatung zu sprechen und sich hier Tipps zu holen, wie die Bewerbung vielleicht noch ein Stück besser werden könnte. „Traut euch und holt euch Unterstützung!“ Wer hier auf die Künstliche Intelligenz als Hilfe setzt, sollte allerdings beachten: Das KI-Ergebnis muss zur Person und zur Stelle passen. „Ein Anschreiben, was zu einer Akademiker-Bewerbung passen würde, ist nichts für einen Handwerksberuf!“ Also, Vorsicht!

Was raten Sie Jugendlichen, die bisher keinen Ausbildungsplatz gefunden haben?

Die Entscheidung für einen Ausbildungsberuf ist getroffen? Gut! Jetzt aber auch raus mit der Bewerbung. Wenn es noch nicht geklappt hat – dann muss dringend ein Plan B und vielleicht sogar ein Plan C her. Außerdem helfen Praktika, auch mal andere Berufsbilder kennenzulernen. Zudem kann die Nachvermittlung helfen. Gegebenenfalls sind auch Überbrückungsmöglichkeiten wie etwa ein Freiwilliges Soziales Jahr interessant, um die Zeit zu überbrücken, bis die Wunsch-Stelle frei ist.

Welche Unterstützung bietet die Agentur für Arbeit konkret bei der Suche?

Neben den vorhin angesprochenen Online-Angeboten gibt es beispielsweise auch Berufseinstiegsbegleitung an Mittelschulen. Die Berufsberater wie Bernhard Gresser sind immer an den Schulen vor Ort. „An den größeren Schulen bin ich jede Woche und an den kleineren Schulen ein- bis zweimal im Monat.“

Also: Früh anfangen, dranbleiben und Hilfen gerne annehmen – dann klappt’s mit der Ausbildungsstelle!

Hintergrund

Zur Person

Berufsberater Bernhard Gresser

  • Ausbildung zum Industriekaufmann
  • Später Studium an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim
  • Berufliche Stationen: Arbeitsvermittler in Agentur für Arbeit Nürnberg, im Jobcenter und in der Agentur für Arbeit Amberg
  • „Traumstelle“ Berufsberatung seit 2009
  • Das mag er besonders: die persönlichen Gespräche direkt an den Schulen und das viele Netzwerken

 
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