Zwischen Rennfieber und Unternehmergeist | Weiden24 - Stage

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Andreas Schundiak erzählt von Unternehmergeist, Nervosität vor dem Start und davon, was Autofahrer vom Motorsport lernen können. (Bild: Andreas Schundiak)
Andreas Schundiak erzählt von Unternehmergeist, Nervosität vor dem Start und davon, was Autofahrer vom Motorsport lernen können. (Bild: Andreas Schundiak)
Andreas Schundiak erzählt von Unternehmergeist, Nervosität vor dem Start und davon, was Autofahrer vom Motorsport lernen können. (Bild: Andreas Schundiak)
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Andreas Schundiak erzählt von Unternehmergeist, Nervosität vor dem Start und davon, was Autofahrer vom Motorsport lernen können. (Bild: Andreas Schundiak)

Zwischen Rennfieber und Unternehmergeist

290 km/h, plötzlich bricht die Hinterachse: Andreas Schundiak kennt den Motorsport am Limit. Der Weidener Unternehmer spricht über Adrenalin, riskante Entscheidungen und die Kunst, selbst unter extremem Druck einen kühlen Kopf zu bewahren.

Du bist in Heppenheim geboren. Wie verlief dein Weg bis in die Oberpfalz – und wann war klar: Hier bleibe ich?

Geboren bin ich in Heppenheim, den größten Teil meiner Kindheit habe ich aber im Raum Stuttgart verbracht. Dort hat auch alles mit dem Motorsport angefangen. Mit sechs Jahren kam ich über die Mercedes-Benz-Jugend zum Kartsport und bin ziemlich schnell immer tiefer reingerutscht. Danach mussten meine Eltern beruflich in die Gegend um Lüdenscheid ziehen. Mit meinem Vater war ich während dieser Zeit fast jedes Wochenende an der Nordschleife, später kamen Trackdays dazu. Als ich den Führerschein hatte, bin ich selbst gefahren – Nürburgring, Hockenheimring, Oschersleben. Irgendwann bin ich dann allein in die Oberpfalz gegangen und habe hier mit 21 meine Firma gegründet. Die Oberpfalz war für mich in erster Linie eine unternehmerische Entscheidung, aber ich mochte die Region schon vorher. Mir sind Freiheit und Platz wichtig, und die Menschen hier sind einfach mega. Nach der Großstadt war der ländliche Raum genau das Richtige für mich.

Als du hierherkamst, kanntest du kaum jemanden. Wie baut man sich unter diesen Voraussetzungen etwas Neues auf?

Ich wollte eigentlich schon immer mein eigener Chef sein. Aber der Start hier war schon speziell: Ich habe den Dialekt teilweise kaum verstanden und war erst einmal komplett lost. Meine Wohnung in Weiden war winzig, Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer praktisch in einem Raum. Ich habe wirklich minimalistisch angefangen. Dann ging es darum, Fuß zu fassen und überhaupt eine Halle zu finden. Vieles war am Anfang ein Provisorium, aber ich habe immer weitergemacht.

Gab es einen Moment, in dem du dachtest: Das war’s mit dem Rennfahrer-Traum?

Eigentlich nicht. Natürlich gab es harte Phasen, gerade während Corona. Kein Publikum, viel Unsicherheit – damals dachte man schon: Das wird den Motorsport komplett verändern. Aber wirklich aufgegeben habe ich den Traum nie.

Du hast erst deine Firma aufgebaut und den Rennsport hintenangestellt. Hat dir das damals wehgetan?

Das war eine harte Entscheidung. Den Rennsport kannte ich sehr gut, das Unternehmertum zwar auch, aber nicht unter diesen Voraussetzungen. Mein Vater hat immer gesagt: „Renn nicht zwei Hasen hinterher – am Ende fängst du keinen.“ Also war irgendwann klar: Jetzt konzentriere ich mich auf das Unternehmen. Davon muss ich leben, das muss funktionieren. Der Motorsport hat mich aber auch während dieser Zeit nie verlassen.

Wie schnell kannst du vom Rennfahrer zum Unternehmer umschalten?

Sofort. Für mich lässt sich das nicht komplett trennen, weil auch das Rennfahren eine unternehmerische Seite hat. Ich fahre letztlich auch für meine eigene Marke. Motorsport schafft Präsenz, und ich habe darüber tatsächlich schon Kunden gewonnen. Gerade das Netzwerken ist unglaublich wichtig – und das funktioniert in diesem Umfeld sehr gut.

Du wirkst eher ruhig und kontrolliert, suchst dir aber mit Motorsport ein Umfeld voller Risiko. Reizt dich genau dieser Gegensatz?

Ja, total. Ich brauche diese Herausforderung und bin grundsätzlich jemand, der ständig etwas zu tun haben muss. Das Verrückte ist: Sobald ich im Rennwagen sitze, werde ich extrem ruhig. Dann bin ich komplett bei mir, denke strategisch und blende vieles außen herum aus. In dem Moment fühlt es sich fast so an, als wäre ich genau da, wo ich hingehöre. Natürlich hilft irgendwann die Routine – aber kein Rennen ist gleich.

Du hast die Stille an einer Rennstrecke vor dem Betrieb als besonderen Moment beschrieben. Was passiert da bei dir?

Ja. Du sitzt im Auto, der Motor läuft, und plötzlich hörst du jede Kleinigkeit. Mein Blutdruck ist da teilweise bei 160 – obwohl ich einfach nur dasitze. Diese Minuten vor dem Start sind für mich mit enormer Anspannung verbunden, weil im Kopf schon alles auf Hochtouren läuft. Du gehst die Strecke noch einmal durch, bestimmte Situationen und dein Ziel für das Rennen. Gleichzeitig versuchst du, dich und das Auto zu kalibrieren. Und trotzdem ist genau das der Moment, für den ich das alles mache: dieser Thrill kurz vor dem Start, diese Verbindung zwischen Kopf, Körper und Auto.

Rennsport ist teuer. Gibt es Momente, in denen der Unternehmer in dir sagt: „Bist du noch ganz bei Trost?“

Natürlich. Wenn du die Summen siehst, denkst du schon: Mit dem Geld könnte ich auch ganz andere Dinge machen. Aber für mich steckt da eine Mission dahinter. Ich habe ein Ziel, das ich erreichen will – körperlich, mental, sportlich und auch wirtschaftlich. Ohne Motorsport würde mir wirklich etwas fehlen. Das klingt vielleicht verrückt, aber es macht echt süchtig.

Was ist schwieriger zu kontrollieren: ein Auto am Limit oder sich selbst in einer Drucksituation?

Am Ende hängt beides zusammen. Ein Fahrzeug reagiert darauf, wie du reagierst. Deshalb ist es für mich wichtiger, zuerst bei mir selbst anzusetzen. Mein Grundsatz ist: Kontrolliere zuerst dich selbst. Wenn du in einer Extremsituation ruhig bleibst, kannst du auch besser auf das reagieren, was das Fahrzeug macht. Ich bin dadurch schon einigen Unfällen entgangen.
Einmal ist mir bei etwa 290 km/h die Hinterachse gebrochen. Das war eine extreme Situation. Da musst du einen klaren Kopf behalten und entsprechend reagieren.

Gab es einen Fahrfehler, bei dem du im Nachhinein wusstest: Das war meiner?

Ja, am Nürburgring. Da war eine Ölspur auf der Strecke, und ich konnte sie sehen. Um meine Linie trotzdem zu halten, bin ich in die Kurve gegangen – und natürlich weggerutscht. Ich wusste also, worauf ich mich einlasse, und bin die Linie trotzdem gefahren. Im Nachhinein war klar: Das war meine bewusste Entscheidung. Solche Situationen zeigen dir sehr deutlich, dass du nicht nur das Auto, sondern vor allem dich selbst im Griff haben musst.

Mal eine ganz persönliche Frage: Was sind deine Lieblings-Rennspiele?

Meine Top drei? Auf Platz drei die Gran-Turismo-Reihe, auf Platz zwei TOCA – vor allem Teil eins und zwei. Und auf Platz eins ganz klar Assetto Corsa. Gerade beim Sim-Racing ist das für mich die Nummer eins.

Was machen viele Autofahrer im Straßenverkehr falsch?

Ich glaube, man sollte sich wieder stärker auf die eigenen Fähigkeiten verlassen und lernen, das Fahrzeug wirklich zu spüren. Die ganzen Assistenzsysteme und Gadgets sind grundsätzlich gut, aber man darf sich nicht blind darauf verlassen. Wenn einem die Technik immer mehr abnimmt, kann auch das eigene Gefühl für das Auto und das Selbstvertrauen verloren gehen. Für mich gehört deshalb dazu, sich bewusst mit dem eigenen Auto auseinanderzusetzen und zu verstehen, wie es sich verhält. Am Ende sollte man selbst das Gefühl haben, das Fahrzeug zu beherrschen.

Würdest du Fahrsicherheitstrainings empfehlen?

Auf jeden Fall. Früher hatten viele Fahranfänger vielleicht 90 PS. Viele können nicht einschätzen, wie sich ein Fahrzeug in einer kritischen Situation verhält. Ein einziger Fehler kann das Leben verändern. Deshalb sollte man einmal bewusst erleben, wie ein Auto reagiert, wenn es ausbricht – und lernen, wie man so eine Situation entschärft. Ich fände es sogar sinnvoll, ab einer gewissen PS-Leistung ein Fahrsicherheitstraining verpflichtend zu machen. Gerade bei solchen PS-Stärken und Leistungen ist das äußerst wichtig.

Wenn du einen Tag mit einem Rennfahrer der Geschichte verbringen könntest: Wen würdest du wählen – und warum?

Ayrton Senna. Sein Werdegang war einzigartig. Ihm wurden immer wieder Steine in den Weg gelegt, und trotzdem hat er versucht, eine Lösung zu finden und seine Mission zu erfüllen. Diese Leidenschaft und dieses kompromisslose Oldschool-Racing faszinieren mich. Damals war fahrerisches Können noch einmal auf eine ganz andere Art gefragt – auch dann, wenn technisch nicht alles perfekt lief. Genau diese Mentalität finde ich beeindruckend.

LEO Shorties: Welches Auto steht ganz oben auf deiner privaten Wunschliste – unabhängig vom Preis?

Ein BMW E39 M5.

LEO Shorties: Welche Strecke würdest du gerne einmal fahren, auf der du bisher noch nie unterwegs warst?

São Paulo.

 
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