Max Weidner: Der Nemo im Schlager-Haifischbecken | Weiden24 - Stage

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In die Welt des deutschen Schlagers passt Max Weidner auf den ersten Blick eher weniger.  (Bild: Max Weidner)
In die Welt des deutschen Schlagers passt Max Weidner auf den ersten Blick eher weniger. (Bild: Max Weidner)
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In die Welt des deutschen Schlagers passt Max Weidner auf den ersten Blick eher weniger. (Bild: Max Weidner)

Max Weidner: Der Nemo im Schlager-Haifischbecken

Vibes. In Clubs und bei elektronischer Musik ist das ein Wort, um Stimmung bildlich zu beschreiben. In die Welt des Schlagers passt es eher weniger. Und doch bringt es das auf den Punkt, was passiert, wenn man Max Weidner begegnet.

Da ist diese Energie, die sofort Raum einnimmt. Diese Begeisterung, die nicht gespielt wirkt – besonders dann, wenn er über Schlager spricht. „Ich gehe nicht nur als Schlagersänger auf die Bühne, sondern als absoluter Schlager-Fan“, erzählt der Eslarner. Doch wer ihm länger zuhört, merkt schnell: Hinter dieser Energie steckt noch etwas anderes. Ein Mensch, der viel über Freundlichkeit, Heimat und Träume nachdenkt – und darüber, wie man sich in einer lauten Branche treu bleibt.
„Freundlichkeit ist ein Lifestyle“, betont Max. „Und in der Schlager-Welt fühle ich mich oft wie ein Nemo im Haifischbecken.“ Für ihn sind das keine weichgespülten Floskeln, sondern gelebte Haltung. Ganz besonders in einer Zeit, in der vieles schneller, lauter und weniger achtsam wirkt. Freundlich zu bleiben, nicht abzustumpfen, nicht selbst verbittert zu werden. Auch das ist für Max eine Form von Stärke.

Auf der Suche

Der Künstler aus Eslarn macht nicht nur Musik, er ist auf der Suche nach Atmosphäre. Auf seinem Fensterbrett liegen Mineralien, die er selbst entdeckt hat, er sammelt Düfte, Erinnerungsstücke, Dinge mit Geschichte. Auch Spiritualität spielt für ihn eine große Rolle. Er fühlt sich König Ludwig II. verbunden – der ist für ihn nicht nur eine bayerische Ikone, sondern fast so etwas wie ein innerer Begleiter. Man könnte das exzentrisch nennen. Oder einfach echt. Denn bei ihm wirkt vieles so, als müsste das, was er macht, nicht jedem gefallen. Keine Rolle, kein Kostüm, keine sauber gezogene Grenze zwischen öffentlicher Figur und Privatperson. „Wenn mich meine Familie auf meinen Konzerten besucht und sagt: ‚Genau das ist unser Max‘, dann weiß ich, dass das, was ich mache, authentisch ist“, erzählt er.
Vielleicht passt dieses Wort also doch: Vibes. Max sucht sie überall – auf der Bühne, in Menschen, an Orten und bei sich selbst. Im Schlager hat er eine Stimmung und eine Energie gefunden, die ihn erfüllt. Ausgerechnet in einer Branche, die von außen oft grell, schnell und oberflächlich wirkt. Für Max ist Schlager aber keine Masche, sondern ein sicherer Hafen. „Musik war immer der Halt im Leben für mich“, sagt er. Das Refugium, in dem er sich zum ersten Mal richtig kennengelernt hat, an dem er einfach sein kann.

Die musikalische Reise

Die musikalische Reise des Oberpfälzers beginnt früh. Im Alter von drei Jahren nimmt ihn sein Opa mit ins Bierzelt. Seitdem ist er fasziniert von Musik und der Energie, die entsteht, wenn Menschen gemeinsam singen, tanzen, lachen, loslassen. Damals konnte er es vermutlich noch nicht klar benennen – aber zwischen dem „Defiliermarsch“ und „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ hat er es zum ersten Mal gespürt. Dieses „Flirren“, wenn Musik die Stimmung in einem Raum verändert.
Max‘ Opa ist selbst Musiker und wird zu einer wichtigen Bezugsperson für den kleinen Bub. Er ist es auch, der ihn mit in den Proberaum nimmt und erkennt, dass dieser Junge nicht nur zuhört, sondern auch etwas mitbringt. Eine Stimme, ein Gespür für Musik und … Vibes.
Abseits davon beschreibt sich Max als ruhiges Kind. Sensibel, umsichtig, liebevoll. „Ich war kein typischer Dorfbub“, erinnert er sich. Keine klassische Fußball-Karriere, dafür aber früh der sehnliche Wunsch, auf der Bühne zu stehen. „Schon als Kind und Jugendlicher habe ich gewusst: Ich will da oben stehen. Ich will in die großen Shows.“ Als junger Erwachsener folgt der Musiker dann seinem inneren Kompass. Er absolviert eine Gesangsausbildung und eine Ausbildung zum TV-Moderator. Seine Konstante bleibt seine Familie, die ihm auf allen Wegen den Rücken stärkt.

Wünsche gehen in Erfüllung

Für Max ging sein Wunsch in Erfüllung. Er spielt auf der Berliner Waldbühne, in der Olympiahalle, am Schloss Neuschwanstein und im ZDF-Fernsehgarten. Stationen, die für viele Künstler unerreichbar bleiben – für Max werden sie Teil der eigenen Geschichte. „Ich habe mir meine Träume erfüllt“, sagt Max ganz selbstbewusst. Dennoch klingt dieser Satz nicht nach endgültigem Ankommen, sondern nach einem Meilenstein auf einer längeren Reise. Denn wer dort oben stand, weiß auch, wie flüchtig solche Momente sein können. Eine Performance, ein Applaus – und der Augenblick ist vorbei.
Max spricht darüber ganz pragmatisch. „Das Business ist hart. Man muss auch mit Niederlagen, Ups und Downs rechnen“, gibt er offen zu. „Und man ist austauschbar. Das kann zermürben.“
Besonders weh getan haben ihm im Laufe seiner Karriere vor allem die zwischenmenschlichen Enttäuschungen. Menschen, die erst nah sind und einen später fallen lassen. Situationen, in denen er sich weniger wie ein Mensch fühlt, sondern eher wie ein Produkt. Auch ans Aufgeben habe er „brutal oft“ gedacht. Gesundheitliche Probleme, fehlende Resonanz, zu viel Fremdsteuerung – und irgendwann wird aus Leidenschaft Druck. Für Max geht es in dieser Phase nicht mehr nur um Karrierefragen, sondern um das eigene Wohl. Er spricht darüber nicht dramatisch, eher ruhig. So, als müsse auch dieser Teil vorkommen, wenn man ehrlich erzählen will, was es bedeutet, für einen Traum zu brennen. Von 24 Stunden am Tag zweifle er vielleicht eine Minute lang, erklärt Max. Diese Minute gewinnt nicht. Aber sie existiert.

Heimat. Familie. Sicherheit.

Was ihn in solchen Momenten hält, sind die Menschen und Orte, an denen er nicht performen muss: seine Familie, seine Freundin, die Heimat. „Meine Family ist mein Safe Space“, sagt er. Denn so sehr er die Energie der Bühne liebt, so sehr braucht er auch das Gegenteil davon, also Ruhe, Verlässlichkeit, Harmonie. Seine Freundin meine manchmal: „Mei, bin ich froh, dass dich keiner so gut kennt wie ich.“ Erst wenn man viel unterwegs sei, merke man, wie viel einem diese Vertrautheit bedeutet. „Heimat ist Seelenbalsam“, fasst der 31-jährige Künstler zusammen. Und dieses Heimatgefühl, diese Vertrautheit stellt sich für Max nicht nur in Eslarn und der Oberpfalz ein. Denn, so ehrlich muss man sein: Die Oberpfalz ist manchmal kein einfacher Ort für Künstler und Freigeister. Die Region ist eher zurückhaltend, lobt nicht immer laut und muss mit Neuem erst einmal warm werden – auch das nimmt Max wahr.
Gleichzeitig gibt es für ihn andere Orte, die ein ähnliches Gefühl in ihm auslösen und ihn erden. Die Gruft des Kini in der Münchner Michaelskirche, München überhaupt, auch Düsseldorf – für Max sind das keine bloßen Stationen, sondern Kraftplätze. Orte, an denen er runterkommt und wieder ein Stück näher zu sich selbst findet. Hier tankt er Kraft, um auf der Bühne wieder alles geben zu können.

Die Reise geht weiter

Und trotzdem: Max träumt weiter. Von einem eigenen Schlager-TV-Format, von einer Solo-Tour, von einer Fanbase, die wirklich nur seinetwegen kommt. „Als Künstler malst du immer große Bilder“, erklärt er. Heute klingen diese Träume aber bewusster als früher. Nicht weniger Leidenschaft, eher mehr Balance – und Vertrauen darauf, dass nicht alles kontrollierbar ist.
Seinem jüngeren Ich würde er heute mitgeben, sich nicht in der Branche zu verlieren, sondern in der Musik. Max hat auf seinem Weg gelernt, mehr auf sein Bauchgefühl zu hören. Auf dieses erste, ehrliche Gefühl, bevor der Kopf anfängt, alles zu zerdenken. Denn nicht jede Chance lässt sich planen, nicht jede Absage verhindern, nicht jede Reaktion von außen kontrollieren. Aber man kann entscheiden, wie viel Macht man all dem über sich gibt.
Früher war da vor allem der Wunsch, in die großen Shows zu kommen. Heute kommt etwas dazu: die Frage, wie man dort ankommt und sich gleichzeitig in der Welt des Schlagers treu bleibt. Weidner will weitergehen, ohne seine Freundlichkeit und Empathie zu verlieren. Groß denken, ohne sich zu verbiegen. Der Nemo im Haifischbecken bleiben. „Der Max Weidner ist auf dem Weg“, sagt er.

 
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