Das Endspiel ist lange eine zähe Angelegenheit. Doch Europameister Spanien dominiert - und schlägt in der Verlängerung gegen zehn Argentinier zu. Für Superstar Messi bleibt die erneute Krönung aus.
Spanien hat dank Ferran Torres die erneute Krönung von Argentiniens Superstar Lionel Messi verhindert und ist zum zweiten Mal Fußball-Weltmeister. Die Iberer siegten in dem lange einseitigen Finale von East Rutherford hochverdient mit 1:0 (0:0, 0:0) nach Verlängerung und sicherten sich zwei Jahre nach dem EM-Pokal auch die WM-Trophäe.
Vor dem Triumph unweit von New York, bei dem Spanien über die komplette Spieldauer dominierte, hatten sie den wichtigsten Pokal im Weltfußball 2010 in Südafrika geholt. Für den bei dieser WM mit acht Toren und vier Assists herausragenden Messi ist der Traum von der Titelverteidigung mit 39 Jahren jäh geplatzt.
Torres erzielte vor 80.663 Zuschauern in der 106. Minute das entscheidende Tor für die Spanier. Der 65 Jahre alte Luis de la Fuente gewann als ältester Trainer der WM-Historie den Titel. Argentiniens Mittelfeldmann Enzo Fernández musste in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit wegen eines Foulspiels mit Gelb-Rot vom Rasen. Die erste Verwarnung hatte er vom slowenischen Schiedsrichter Slavko Vincic wegen Reklamierens gesehen.
Neben US-Präsident Donald Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino saßen zahlreiche weitere Promis aus der Sport- und Show-Welt auf der Tribüne: Tom Cruise, Rihanna, David Beckham und Jay-Z etwa. Sie sahen eine zähe erste Halbzeit - und dann eine klare Steigerung der Spanier.
Die Argentinier hätten als drittes Team nach Italien (1934, 1938) und Brasilien (1958, 1962) den WM-Titel erfolgreich verteidigen können. Stattdessen wurde der Champion von 2022 entthront. Messi, der achtmalige Weltfußballer, war im Endspiel kaum zu sehen, in der Verlängerung senkte sich eine Flanke auf das Tornetz. Generell enttäuschte Argentiniens Offensive komplett und blieb über die ersten 110 Minuten vollkommen wirkungslos.
Messi hatte die Argentinier bei seiner sechsten WM ins Finale getragen. Und das nicht nur mit seinen Toren und Vorlagen. Der Routinier ist für die Teamkollegen Idol und Fixpunkt gleichermaßen. Wann immer es eng für sie wurde, suchten sie den Ausnahmekönner in der Offensive. So kämpfte sich die Albiceleste in der K.o.-Phase Runde für Runde weiter. Mit späten Aufholjagden und zweimal sogar über die Verlängerung.
Die Spanier erwiesen sich als unüberwindbar. Nur ein Gegentor kassierten die ballsicheren Iberer im gesamten Turnier - beim 2:1 im Viertelfinale gegen Belgien. Wie sie beim souveränen 2:0 im Halbfinale die Offensiv-Zauberer aus Frankreich abkochten, war beeindruckend. Kein Wunder, dass de la Fuente im Endspiel auf exakt die gleiche Startelf setzte.
Spaniens Lamine Yamal und Argentiniens Messi standen schon vor der Partie im Fokus - nicht zuletzt wegen ihres legendären gemeinsamen Badewannen-Fotos vor knapp 19 Jahren. Und sie hatten auch gleich die ersten Szenen im Spiel.
Ein Abschluss von Yamal landete in den Armen von Argentinien-Keeper Emiliano Martínez (5.). Im Gegenzug tauchte Messi, der als erster Spieler der WM-Historie sein drittes Finale von Beginn an bestritt, frei vor Unai Simón auf. Doch Spaniens Schlussmann eilte rechtzeitig aus seinem Kasten und klärte.
Ansonsten? Viele Pässe beim Europameister und zunächst nur wenig Spektakel. Die Spanier streuten auf dem viel kritisierten Finalrasen von East Rutherford ungewohnte Ungenauigkeiten ein, die auf Konter lauernden Argentinier konnten die Angebote aber nicht nutzen. Beiden Teams war der Respekt voreinander anzumerken.
Womöglich hatten de la Fuente und Scaloni ihre Mannschaften aber auch einfach perfekt auf den jeweiligen Gegner eingestellt. Die beiden Coaches sind befreundet. De la Fuente war einst Scalonis Lehrer, als der in einem Sonderprogramm des spanischen Verbands seinen Trainerschein machte.
Die erste Halbzeit neigte sich bereits dem Ende zu, als die Spanier doch noch für Torgefahr sorgten. Torjäger Mikel Oyarzabal prüfte Torhüter Martínez mit einem Flachschuss aus knapp 20 Metern (39.). Ein Versuch von Marc Cucurella zischte rechts am Gehäuse der Argentinier vorbei (43.). Spaniens Wuschelkopf war auch diesmal einer der auffälligsten Spieler auf dem Rasen.
Nach der stimmungsvollen Halbzeit-Show mit den Popstars Madonna, Shakira und Justin Bieber hofften die Fans im gigantischen Football-Stadion vor den Toren New Yorks auch auf mehr sportliche Unterhaltung. Spaniens Álex Baena versuchte sich direkt, sein Schuss war aber zu ungenau (46.).
Nach und nach entwickelten die Iberer mit ihrem Kombinationsspiel nun aber mehr Zug zum Tor. De la Fuente versuchte, die Offensive unter anderem durch die Hereinnahmen von Pedri und Torres vom FC Barcelona weiter anzukurbeln. Dazu zeigte der ansonsten herausragende Martínez im Tor der Argentinier Unsicherheiten - vor allem bei einem Schuss des früheren Leipzigers Dani Olmo (64.).
Die Spanier erhöhten zunehmend den Druck, Martínez musste mehrfach eingreifen - auch gegen Yamal (90.+8). Von Argentinien kam offensiv weiter gar nichts. Als Fernández nach einem Foul vom Feld musste, ging es für den Titelverteidiger nur noch darum, sich ins Elfmeterschießen zu retten. Ein Tor des eingewechselten Spaniers Nico Williams zählte nicht, nachdem Nicolas Otamendi im Zweikampf mit Mikel Merino zuvor zu Boden gegangen war (96.).
Dann erlöste Torres die Spanier direkt zum Start der zweiten Halbzeit in der Verlängerung. Per Direktabnahme verwandelte der Joker mit links und machte damit Spaniens zweiten WM-Triumph perfekt - 2010 hatte Andrés Iniesta gegen die Niederlande ebenfalls das 1:0-Siegtor in der Verlängerung geschossen. Danach traute sich Argentinien mehr, doch zum Ausgleich reichte es nicht.
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