Für Dominik Mark sind Games mehr als Zeitvertreib – und Sammelstücke mehr als bloße Objekte. Der 37-jährige Social Media Manager aus Krummennaab teilt als „sammlerherz_de“ auf Instagram seine Leidenschaft für Gaming, Nostalgie und Sammeln.
Ein Gespräch über prägende Spiele, emotionale Erinnerungen und die Frage, warum Leidenschaft manchmal ganze Regale füllt.
Dir folgen auf Instagram mittlerweile über 18.000 Leute. Wie wichtig ist dir der Austausch mit Gleichgesinnten?
Der Austausch ist für mich essenziell. Es macht nicht nur Spaß, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, es kommen täglich auch Nachrichten aus meiner Community, die mich auf neue Collectibles hinweisen. Das ist super, denn selbst ich bekomme nicht alles mit.
Was reizt dich daran, deine Sammlung und dein Hobby online zu teilen?
Auf viele meiner Collectibles bin ich ziemlich stolz und dafür Anerkennung zu erhalten, fühlt sich natürlich sehr gut an. Ich möchte den Menschen auch zeigen, dass es heutzutage ganz normal ist, sein Hobby auszuleben, ganz gleich, wie „nerdig“ oder „edgy“ es sein mag.
Wie ging das Ganze Social-Media-Game los und wie wurde es zu so etwas Großem?
Tatsächlich ist mein Account aus Langeweile entstanden, das müsste 2019 gewesen sein. Ich hatte auf Instagram gesehen, dass viele Leute ihre Sammlungen online zeigen. Da dachte ich mir, dass ich das auch kann. Angefangen hat es mit Funko Pop Figuren, doch ich wollte schnell auch meine anderen Sachen zeigen. Es war nie meine Intention, mit meinem Account bekannt zu werden – es führte einfach eins zum anderen.
Welches Game hat dich in deiner Kindheit besonders geprägt – und welches begleitet dich bis heute noch?
Da gibt es einige, aber mir fällt da immer direkt „Zelda: Ocarina of Time“ für den Nintendo 64 ein. Ein Spiel, das seiner Zeit voraus war, denn es definierte 1998 bereits das, was wir heutzutage als „Open World“ kennen. Tatsächlich habe ich es nur aus Zufall gespielt, ich konnte mit dem Franchise eigentlich nichts anfangen. Heute zählt es immer noch zu meinen absoluten Lieblingsspielen. Ich habe mir sogar die Ocarina und ein Lied aus dem Spiel auf Notenlinien tätowieren lassen. Der Soundtrack katapultiert mich auch heute noch sofort zurück in meine Kindheit.
Du hast die klassische LAN-Party-Zeit miterlebt. Was verbindest du damit?
Um die 2000er-Jahre war das etwas ganz Besonderes. Mein ganzer damaliger Freundeskreis war mit dabei. Es ist schwer den Jüngeren heutzutage zu erklären, dass es damals nicht selbstverständlich war, Internet immer und überall zu haben. Heute loggst du dich ein und kannst sofort mit dem Spielen loslegen – das war für uns einst die Ausnahme. Heute gibt es immer noch LAN-Partys, vor ein paar Monaten war ich auf einer und das Flair ist immer noch vergleichbar mit damals.
Spielst du mittlerweile anders als früher: entspannter, bewusster, selektiver?
Die Auswahl an Videospielen ist heutzutage immens. Früher hatte man zwar mehr Zeit, aber weniger Geld und weniger Auswahl zur Verfügung. Ich hatte viele Spiele öfter durchgespielt und 100 Prozent komplettiert. Das ist heute anders, denn die Spiele sind mittlerweile teilweise riesengroß, was den Umfang und die Spieldauer angeht. Also ja, ich überlege mir oft vorab, was ich als Nächstes spiele. Dazu schaue ich mir auch gerne „Let's Plays“ auf YouTube und Twitch an. Du kommst als Videospieler einfach nicht mehr hinterher.
Wie wichtig ist dir die Story im Vergleich zum Gameplay?
Story-Games haben etwas ganz Faszinierendes. Wenn die Geschichte so packend und mitreißend erzählt wird, dann kann für mich schon einmal das Gameplay zweitrangig sein. Bestes Beispiel: die „The Last of Us“-Spiele. Deren Story ist für mich unerreicht, wobei das Gameplay stellenweise altbacken ist. Das stört mich aber nicht weiter.
Was darf bei deinem perfekten Gaming-Setup nicht fehlen?
Meine Leinwand und Beamer. Das ist ein ganz anderes Level, wie ich Videospiele, Filme und Serien wahrnehme.
Welche aktuellen Gaming-Trends findest du spannend – und welche gehen dir eher auf die Nerven?
Ich finde es schön, dass Gaming endlich auch im Mainstream angekommen ist. Du wirst heutzutage nicht mehr schief angeschaut, wenn du sagst, dass du lieber daheim zockst, anstatt in Clubs zu gehen. Als Sammler finde ich die Entwicklung, neue Spiele immer häufiger ausschließlich digital zu veröffentlichen, nicht gut. Nicht nur, weil ich sie lieber in der Hand halte, ich kann alte Spiele oder welche, die mir nicht gefallen, nicht mehr verkaufen oder tauschen.
Was genau sammelst du, womit hat alles angefangen und wie groß ist deine Sammlung mittlerweile?
Angefangen hat das schon in der Kindheit, jedoch hatte ich das meiste in meiner Jugend leider verkauft. Da war mir wichtiger, zum Beispiel Geld fürs Weggehen zu haben. Das habe ich bereut, und Ende 20 viele Sachen noch einmal gekauft und so richtig mit dem Sammeln angefangen. Ich sammle jetzt hauptsächlich Videospiele, Lego-Sets und Pokémon-Karten. Der Umfang ist dabei schwer einzuschätzen, auf jeden Fall ist meine Wohnung dafür zu klein.
Wie wählst du aus, was in deine Sammlung kommt?
Es gibt zwei Arten von Sammlern. Die, die so viel wie möglich in ihrer Sammlung haben wollen, ganz gleich, ob es sie emotional berührt. Und dann noch so Leute wie mich, die ausschließlich Collectibles besitzen, welche Nostalgie auslösen und Emotionen hervorrufen.
Was macht ein Sammelstück für dich „wertvoll“ – Geld, Seltenheit oder Emotion?
Immer die Emotion. Wenn ich es anschaue oder berühre müssen bei mir gleich Erinnerungen wach werden. Wenn es dann selten ist und später vielleicht sogar sehr wertvoll, dann ist das eher ein Bonus.
Gibt es ein Stück in deiner Sammlung, das für dich eine ganz besondere Geschichte erzählt?
Ich bin großer Ghostbusters-Fan und das dazugehörige Protonenpack ist der Grund, warum ich mir ein Ghostbusters- Cosplay gemacht habe. Das ziehe ich seit drei Jahren zu Halloween an und hatte damit schon einige Fotoshootings und Videodrehs.
Gibt es Teile, die du bewusst nicht sammelst, obwohl sie begehrt sind?
Ich kaufe ganz selten etwas, wenn ich es nicht für den ursprünglichen Preis oder darunter bekommen kann. Mein Hobby ist teuer genug und irgendwo muss ich auch die Grenze ziehen. Klar gibt es wunderschöne High-End-Collectibles, die ich gerne hätte. Für mich stimmt dann aber die Relation zu Preis und Mehrwert nicht mehr.
Hast du schon mal überlegt, einen Teil deiner Sammlung zu verkaufen?
Wenn ich mich an manchen Sachen sattgesehen habe oder ich den Bezug dazu verliere, dann wechselt schon einmal etwas den Besitzer. Bis ich meine Sammlung aber komplett verkaufe, dauert es denke ich noch. Da müsste schon ein lebensveränderndes Angebot kommen oder komplett die Freude daran verschwinden.
Gibt es etwas an diesem Hobby, das viele nicht verstehen?
Manche können nicht verstehen, wie viel Erinnerungen in Videospiele und auch in Filmen sowie Serien stecken. Manche sehen Pokémon-Karten, Lego-Sets und Minifiguren ausschließlich als Spielzeug und verkennen den Wert dahinter. Sie können nicht verstehen, warum erwachsene Menschen ihr Geld dafür ausgeben. Man wird vor allem von der älteren Generation gerne für seine Leidenschaft belächelt.
Gab es eine Phase, in der Gaming oder Sammeln mal komplett in den Hintergrund gerückt ist?
Gänzlich war das Interesse daran nie verschwunden. In meinen sogenannten „Dark Ages“ im Alter von 15 bis 25 Jahren hatte ich jedoch anderes im Sinn. Weggehen, Mädels ausführen, solche Sachen. In der Zeit hatte ich natürlich viele schöne Collectibles versäumt. Das bereue ich bis heute – meine Jugend war aber trotzdem toll und ich hatte viel Spaß.
Findest du, das Gaming und Sammeln dich geprägt haben?
Auf jeden Fall! Ich wäre nicht der, der ich heute bin, denn es macht mich aus und ist Teil meiner Identität. Videospiele sind oft ein Rückzugsort, der perfekte Eskapismus, die Flucht aus der Realität. Und die Faszination dahinter manifestiert sich dann in Form von Collectibles.
Was war der schönste Moment, den „sammlerherz_de“ ermöglicht hat?
Dazu zähle ich unter anderem zweimal eine Reise nach Barcelona, diverse Filmpremieren in Berlin und die Kooperationen mit PlayStation, Warner Bros. oder Disney. Auch konnte ich einigen meiner Vorbildern schon persönlich die Hand schütteln. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar!
Gibt es Begegnungen mit Followern, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
Daraus sind mitunter gute Freundschaften entstanden, zum Beispiel mit Björn aus NRW. Wir haben uns erst in den Instagram DMs ausgetauscht und später miteinander gezockt. Auf einem Roadtrip durch Deutschland besuchte ich schließlich Björn und seine Familie, seitdem gehört er zu meinen besten Freunden. Wir treffen uns mindestens einmal im Jahr und zocken dazu fast jeden Abend.
Wie gehst du mit dem Druck um, regelmäßig Content liefern zu müssen?
Ach, Druck verspüre ich dabei nicht wirklich. Ich produziere meine Bilder-Posts und Reels oftmals vor. Jedoch ist das Schwierige dabei eine gewisse Vielfalt und Abwechslung beizubehalten. An manchen Tagen habe ich gar keine Muse beziehungsweise zündende Ideen und an anderen Tagen sprudelt die Kreativität einfach nur so raus.
Gibt es im Gegensatz Tage, an denen du dir bewusst eine digitale Auszeit nimmst?
Eine digitale Auszeit gibt es bei mir eher nicht, da mein Account sowie die Gaming-und Sammelbubble eher wie ein Safespace für mich sind. Dort lese und sehe ich nur das, was mich auch wirklich interessiert.
Gibt es Träume, die noch auf deiner Liste stehen?
Mein Traum ist seit Jahren eine Rundreise in Japan. Das hat sich bis jetzt leider noch nicht ergeben. Ansonsten würde ich für 2026 gerne die 20.000 Follower schaffen und vielleicht die ein oder andere Kooperation mit Lego oder Nintendo eingehen.